We had a great knight
(ich muss das aus der Avenue Q-Werbung aus dem Chess-Programm klauen, weil ich das so lustig finde).
Also, erst der Chess-Bericht, der London-Bericht folgt dann.
Ich war ja zum ersten Mal in der Royal Albert Hall und allein das war schon toll. Wir haben zwar fast ganz oben gesessen, aber wenn ich mich vorlehnte, konnte ich etwas mehr als die Hälfte der Bühne sehen (wir hatten ja restricted view). Für eine konzertante Aufführung reicht das auf jeden Fall – auch wenn näher dran schon besser gewesen wäre.
Jedenfalls gehen da eine Menge Leute rein, was zusammen mit den Tagestemperaturen dazu beitrug, dass man prima zerfließen konnte. Es war ziemlich heiß!
Wahrscheinlich waren einige Leute da, die man kannte, von Tommy Körberg habe ich gelesen, ihn aber leider nicht gesehen. Tim Rice kam ja auf die Bühne, da war das mit dem Sehen einfacher.
Die Version, die gespielt wurde, fand ich eigentlich recht gut. Mein Lied war dabei, wenn auch im zweiten Akt und für Svetlana (was sich aber als ein großes Glück herausstellte). Und unabhängig von der Version ist Chess ja immer richtig toll (zumindest, so lange es nicht auf Deutsch gesungen wird!).
Leider war der Ton in der Royal Albert Hall nicht gerade der beste.
Und dass auf der großen Leinwand Projektionen zu sehen waren, fand ich auch nicht toll (ich mag ja fast nie Projektionen). Besser wäre gewesen, das Bühnengeschehen auch auf der Leinwand zu zeigen, für die armen Menschen, die nicht alles sehen konnten (das waren ja nicht gerade wenige). Na ja, immerhin habe ich jetzt diese ganzen Schachweltmeister mal gesehen…
Noch kurz zur Cast:
Josh Groban als Russe. Der Mann ist in Amerika und England auf jeden Fall bekannter als bei uns. Zumindest kannte ihn niemand, dem ich von dem Konzert erzählt habe (nur die Mutz, aber die wollte ja trotzdem nicht mit). Ja, sein Russe war prima. Er hat eine richtig tolle Stimme und die auch gut eingesetzt. Das Schauspiel wurde dadurch vielleicht etwas vernachlässigt, vielleicht habe ich aber auch einfach nur an den falschen Stellen mit dem Fernglas geguckt (wobei ich da auch meistens andere Ziele hatte).
Idina Menzel als Florence. Ja, das tut mir jetzt schon leid, das sagen zu müssen, vor allem, weil ihre Elphaba so was von toll war, dass ich einfach nicht damit rechnete, aber: Sie hat mir nicht gefallen. Sie hat zwar ihre Lieder alle mehr oder weniger sicher und gut gesungen, aber sie hat so gar nicht in die Rolle gepasst. Für mich daher die Enttäuschung und die Fehlbesetzung des Abends. Sehr schade!
Adam Pascal als Trumper. Ich habe ihn vor etwas mehr als fünf Jahren in New York als Radames gesehen und war hin und weg. Dass ich ihn überhaupt noch mal sehen sollte, habe ich nicht gedacht, dass es dann gleich der Amerikaner sein sollte, war fantastisch, denn genau das ist Adam in der Rolle. Eine Traumbesetzung, schon nach den ersten beiden Wörtern, die er sang, hatte ich Gänsehaut. Und Pity the Child war sooo klasse.
Nachdem ich beim letzten Mal davon ausging, ihn nicht mehr auf der Bühne zu sehen, sage ich jetzt lieber: Ich hoffe und freue mich aufs nächste Mal!
Und dann der Höhepunkt des Abends: Kerry Ellis als Svetlana. Sie ist in der Rolle genauso umwerfend wie als Elphaba. Someone else’s story waren die besten 3 Minuten des ganzen Abends. Mehr als einmal habe ich bedauert, dass sie nicht Florence gesungen hat (und dann natürlich dennoch dieses Lied, da das ja beide Frauen singen können). Einfach nur fantastisch und ich freue mich schon, wenn sie aus New York zurück ist und ich sie wieder in London auf der Bühne sehen kann!
Der Rest: Der Arbiter hat ein wenig gebraucht, bis er in die Rolle gefunden hatte, dann konnte er aber auch schon mal überzeugen. De Courcy habe ich kaum gesehen, aber gehört und Molokov hat mir gut gefallen. Persönliches Highlight im Chor: Jon Robyns, den ich mit dieser Frisur erst auf den zweiten Blick erkannte.
Ach ja, Chor, der Chor, der neben der Leinwand saß, war klasse. Ebenso der Orgeleinsatz in manchen Liedern.
Und noch ein großer Minuspunkt: Der Dirigent, denn der hatte es wohl eilig. Das war viel zu schnell dirigiert und mehr als ein Sänger wurde durch das jeweilige Lied gehetzt. Sehr, sehr schade, denn dadurch hat das Stück stellenweise doch verloren, weil es eben so abgehetzt rüberkam.
Fazit: Alles in allem ein toller Abend, für den sich der Kurzausflug nach London auf jeden Fall gelohnt hat.
Jetzt warte ich gespannt auf das Erscheinen der DVD und / oder CD (wie ich auch auf das Erscheinen einer anderen DVD warte
)
13. Mai 2008 at 5:18
Schöner Bericht, hatte bei einigen Stellen auch ein leichtes Gänsehautfeeling, gut beschrieben!! Ja, schade, dass Indina Menzel hier so gar nicht reingepasst hat …
Und dass es eine CD geben wird, find ich auch toll – DVD … naja … schlaf ich eh wieder dabei ein *lach*
Josh Groban kenn ich auch – und wir wissen ja auch warum !!
13. Mai 2008 at 5:25
Ich hab einen Kommentar gelesen, der besagte, daß die Orgel teilweise zu laut gewesen sei und man deshalb das Ende einiger Songs nicht verstehen konnte… dazu sag ich Folgendes:
Die Orgel der Royal Albert Hall ist genial! Man sieht sie auf dem Foto hinter der Leinwand. Sie war auch nicht zu dominant. Was das Ende der Songs immer übertönt hat war der tosende Applaus, der beim einsetzen des finaltons einsetzte – eine Schande, laßt die Leute doch mal aussingen!!!
Aber in England bekommt man ja auch keinen richtigen Schlußapplaus hin. Der Applaus war zwar stark und es gab sofort Standing Ovations, aber mehr als eine Applausordnung gab es nicht. Beinahe wären alle noch einmal herausgekommen, aber da hat der Großteil des Publikums schon aufgehört…
Das Konzert war in mancher Hinsicht sehr unperfekt. Der Ton war nicht immer toll, man hat vieles nicht verstanden, es gab Texthänger und so weiter – aber das Erlebnis war einmalig und den Aufwand absolut wert.
Trotzdem werden wir keine ein-Tag-hin-und-zurück-Flüge-ohne-Hotel mehr machen. Dafür sind wir jetzt einfach zu alt.